Einige
von Euch kennen bestimmt die Legende vom Goldenen Vließ, als Jason von
Hellas aufgebrochen ist, um das Goldene Vließ zu holen. In Kolchis angekommen,
verliebt er sich in Medea, die Tochter des Königs Aietes ... Wie gesagt,
es handelt sich nur um eine Sage, auf die ich jetzt nicht näher eingehen
will, aber die uns Kolcher in die Geschichtsbücher gebracht hat.
Im
Nachfolgenden werde ich auf die Geschichte der Kolcher, eine Volksgruppe
an der georgisch-türkischen Grenze am Schwarzen Meer, eingehen. Erste
historische Zeugnisse der Kolcher stammen aus der Zeit 2000 bis 1000 v.Chr.
Wann genau Kolchis gegründet wurde, ist aber nicht genau nachvollziehbar.
In den meisten historischen Büchern wird von 800-600 v. Chr. gesprochen.
Kolchis selbst bestand aus mehreren ethnischen Gruppierungen wie Lasen/
Tzanen, Mengrelen und Abchasen, bei denen
man aber eine Verwandtschaft nicht ausschließen kann. Das Siedlungsgebiet
der tzanischen Lazen war das heutige Artvin. In griechischen Geschichtsbüchern
wird des öfteren auch von Tzanen gesprochen, die vorwiegend im Pontischen
Gebirge gelebt haben. Der damalige Hauptsiedlungspunkt der Lasen
und Mengrelen war das Gebiet im Rion-Delta bei Phasis (heutiges Poti).
Die Abchasen lebten damals wie heute bei Suchumi am nordöstlichen Schwarzem
Meer. Das Königreich Lazika ging aus dem historischen Kolchis hervor.
Es ist sozusagen der Nachfolgestaat von Kolchis.
Die
Kolcher hatten eine durch Krieg geprägte Vergangenheit. Im ersten Jahrhundert
mussten sie sich gegen den pontischen König wehren. 200 n.Chr. gewinnt
der König von Lazika (inkl. Eger/Tzani) immer mehr an Macht, und die Kolcher
haben sich im Jahre 400 n. Chr. vom Kaukasus bis zum heutigen Trabzon
ausgedehnt. Besonders die Lazen siedelten sich daraufhin in dem Gebiet
zwischen dem Coruh-Fluß und der Schwarzmeerküste an. Byzantiner sahen
das mit Unbehagen und unterstützten bzw. förderten die Separation der
Abchasen von Lazika (ehem. Kolchis). In den Jahren 500 bis 600 n.Chr.
kamen die Kolcher zwischen die Fronten des byzantinisch-persischen Kriegs,
somit zerfiel das Königreich Lazika im 8. Jahrhundert. Die Zahl der Kolcher
fiel zurück und die Iberer (Georgier) annektierten das nördlich-mengrelische
Gebiet der Kolcher im Rion-Delta.
Die
Lasen lebten im südwestlichen Teil von Kolchis
unter der Besatzung, im Königreich von Trapezunt, und nach 1461 n. Chr.
im Osmanischen Reich, in der dann einige Lasen
den islamischen Glauben angenommen haben. Dennoch konnten die
lasischen Kolcher 1851 einen neuen Staat namens Lazistan zwischen
Guria und Batumi gründen, dass leider nicht lange von Dauer war, da die
Lasen zwischen die Fronten im russisch-osmanischen
Krieg gerieten. Am 28.August 1878 fielen die Russen in das Gebiet ein.
In dieser Zeit galt Batumi als kulturelle Hochburg der Lasen.
Die Lage änderte sich erst, nachdem die russische Kaukasusarmee sich infolge
der Oktoberrevolution 1917 aufgelöst hatte. Aufgrund des Vertrags von
Brest- Litovsk (3. März 1918) konnten die Türken die Distrikte Kars, Ardahan
und Batumi in das Türkische Reich eingliedern.
Batumi
wurde aber später in einer russisch-türkischen Vereinbarung Russland zugesprochen.
Nach der Gründung der heutigen Türkei und der Grenzziehung gemäß der Verträge
von Lausanne (24. Juli 1923) ist das kolchische Volk auf zwei Staaten
verteilt. Heutzutage leben die lasischen Kolcher
auf der türkischen Seite in Hopa (Hope), Arhavi (Arkabi), Findikli
(Vice), Ardesen, Pazar (Atina), Çamlihemsin,
Rize und neben Türken und Pontusgriechen in
Trabzon. Einige Lasen findet man immer
noch in Sarpi und Batumi vor, die im heutigen
Adscharien der Republik
Georgien liegen. Georgier hingegen
hatten sich auch im südlichen Artvin und Adscharien angesiedelt.
Die mengrelischen Kolcher leben hauptsächlich
bei Poti, Zugdidi und Kobuleti (Guria) in
Westgeorgien.